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Das kolumbianische Wunder – wie vier Kinder 40 Tage im Dschungel überleben konnten



Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Das kolumbianische Wunder – wie vier Kinder 40 Tage im Dschungel überleben konnten


Von Lena Greiner


Vier Geschwister aus Kolumbien überlebten einen Flugzeugabsturz – und danach fast sechs Wochen allein im Dschungel. Die Inflation lässt nach. Und die Niederlande verteilen kostenlos Sonnencreme an alle. Die guten Nachrichten der Woche.


»Sie sind ein Beispiel für das Überleben, das in die Geschichte eingehen wird«, so beschrieb Kolumbiens Präsident Gustavo Petro die unglaubliche, an ein, nein, an vier Wunder grenzende Geschichte der vier Geschwister, die nach einem Flugzeugabsturz 40 Tage allein im kolumbianischen Dschungel überlebt hatten. Sie wurden vor einer Woche gefunden, leicht verletzt, mangelernährt, völlig erschöpft, aber außer Lebensgefahr: Lesly, 13, Soleiny, 9, Tien 4, und Cristin, die im Dschungel ihren ersten Geburtstag erlebt hat.


Wie haben die Kinder fast sechs Wochen in dieser gefährlichen Umgebung überstanden, in der es bis zu 16 Stunden am Tag regnen soll, es oft stockdunkel ist, in der es giftige Pflanzen gibt und wo Schlangen, Jaguare und Pumas umherstreifen? Und das, nachdem sie ihre Mutter verloren haben, die erst einige Tage nach dem Absturz gestorben sein soll.


Sie sind Indigene, sie fänden sich im Wald zurecht, hatte General Pedro Sánchez, der Kommandant des Suchtrupps, seine Hoffnung begründet, die nach mehr als einem Monat schon viele aufgegeben hatten. Fátima Valencia, die Großmutter der Kinder, vertraute vor allem auf die älteste Schwester. »Sie war immer wie die Mutter, sie hat die anderen mit in den Wald genommen«, sagte sie gegenüber einem Radiosender. »Sie kennt die Pflanzen und Früchte. Wir Indigene lernen von klein auf, welche man essen kann und welche nicht.« Auf der Suche nach den Kindern hatten die Soldaten Schuhe, Windeln, Haargummis, eine lilafarbene Schere, eine Babyflasche, eine aus Blättern und Ästen gebaute Notunterkunft sowie halb verzehrte Früchte entdeckt. Auch anhand der abgeworfenen Überlebenspakete konnten sie die Spuren der Geschwister nachverfolgen, da die Kinder einige Pakete gefunden und die Rationen gegessen hatten.


Soldaten und Indigene versorgen und füttern die Kinder, nachdem sie diese nach 40 Tagen im kolumbianischen Dschungel gefunden haben


Foto: AP



Der Fall erinnert an das Schicksal der Deutsch-Peruanerin Juliane Diller, die 1971 mit 17 Jahren als einzige von 92 Menschen einen Flugzeugabsturz über dem Amazonas überlebte. Das Flugzeug war in der Luft auseinandergebrochen und aus 3000 Meter Höhe in den Urwald gestürzt. Diller, heute 68, fand nach ihrem Absturz nur eine Tüte Bonbons und ernährte sich von sonst nichts außer Wasser, sieht aber einige Parallelen zu den nun geretteten Kindern: »Sie hatten einen großen Vorteil, den ich damals auch hatte: Wir kannten und kennen den Urwald.« Ihre Eltern hatten als international bekannte Zoologen mehr als 20 Jahre in Peru gelebt und geforscht.


Das Wichtigste sei es gewesen, die Gefahren einschätzen zu können, »zu wissen, wo man aufpassen muss, auf was man achten muss. Auf Schlangen, auf Spinnen auf der Erde und im Wald, am Wasser auf Kaimane und Stachelrochen und Ähnliches«. Auch die Kinder, so erklärt Diller, hätten sicher wie sie die Geräusche, die »Stimmen des Waldes« identifiziert: »Dadurch befanden sie sich in einem Lebensraum, den sie kannten und in dem sie überleben konnten.«


In seinem Text über die Ähnlichkeiten der beiden Unglücke schreibt Stephan Kroener: Von ihrem Vater hatte Diller gelernt, sie solle, falls sie sich einmal im Dschungel verlaufen sollte, immer dem Lauf eines Fließgewässers folgen, um so früher oder später bewohnte Siedlungen zu finden. Auch die Kinder des Cessna-Unglücks hielten sich daran und blieben in Flussnähe. Diller half damals diese Regel, um nach elf Tagen, in denen sie verletzt und mit nur noch einer Sandale unterwegs war, auf Menschen zu stoßen. Sie bewundere das Durchhaltevermögen der Kinder, sagte Diller zu Kroener. Und: »Ich glaube, das ist für viele Menschen ein Beispiel, dass man wirklich an seine eigenen Kräfte glauben soll, dass man herauskommt aus Situationen, die man am Anfang meint, nicht bewältigen zu können.«


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